Bad Krozingen ist in der Reformationszeit katholisch geblieben – ein Umstand, der mit ihrer Zugehörigkeit zur habsburgischen Vorderösterreich zusammenhängt. Während im Jahr 1556 die Reformation in den badischen Landen eingeführt wurde, blieb Bad Krozingen unter habsburgischer Herrschaft dem katholischen Glauben treu. Über Jahrhunderte lebten hier ausschließlich Katholiken, auch noch lange nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Erst um das Jahr 1900 begann sich das konfessionelle Bild zu verändern: Evangelische Christen zogen in größerer Zahl nach Bad Krozingen, zunächst noch ohne eigene Kirche. Gottesdienste fanden im Schloss statt. Bad Krozingen war zunächst Filial von Gallenweiler, später von Staufen.
Mit dem Wachstum der evangelischen Gemeinde kam auch der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. Ein Meilenstein war die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei – kurz darauf konnte mit großem Engagement unter dem ersten evangelischen Geistlichen Vikar Funk der Bau der Kirche realisiert werden. 1935 wurde die Evangelische Kirche in Bad Krozingen feierlich eingeweiht – ein bedeutender Moment, vollzogen durch den damaligen Landesbischof.
Architektonisch nimmt die Kirche gestalterisch Bezug auf die katholische Pfarrkirche: Der Turm ist in Höhe und Form an deren Turm angelehnt. So fügt sich das Bauwerk harmonisch ins Stadtbild ein – ein bewusstes Zeichen des Miteinanders der Konfessionen, das bis heute sichtbar ist.
Ein besonderes Highlight der Kirche sind die zehn farbintensiven Kirchenfenster, die der Künstler Georg Meistermann im Jahr 1981 schuf. Der Fensterzyklus steht unter dem Thema:
„Erscheinungen Gottes in der Welt“
Die Fenster erzählen in leuchtenden Farben und kraftvollen Formen zentrale biblische Szenen aus Altem und Neuem Testament – von der Erschaffung der Welt, über die Verkündigung an Maria, die Taufe der Gläubigen, bis hin zur Vision des himmlischen Jerusalems aus der Offenbarung des Johannes.
Mit dieser modernen, spirituell tiefgründigen Glaskunst besitzt die Evangelische Kirche in Bad Krozingen ein herausragendes künstlerisches Zeugnis des 20. Jahrhunderts – und einen Ort, der Glaube, Geschichte und Kunst in besonderer Weise miteinander verbindet.