Mitten auf einer Straßenkreuzung im Ortsteil Kems steht ein echtes Kleinod: die Fridolinskapelle, im Volksmund liebevoll „Kemser Dom“ genannt. Sie bildet das kulturelle und spirituelle Zentrum des Stadtteils und ist ein Ort gelebter Tradition.
Der heilige Fridolin, der in Bad Säckingen beigesetzt ist, wird in Kems seit Jahrhunderten besonders verehrt – vielleicht ein Hinweis darauf, dass der Wandermönch einst selbst in Bad Krozingen Station machte.
Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahr 1737, doch ihr bedeutendstes Element ist deutlich älter: der kunstvolle Barockaltar, datiert auf das Jahr 1602. Ursprünglich stand er in der Schlosskapelle und wurde später in die Fridolinskapelle übertragen.
Der Altar zeigt im Zentrum die Krönung Mariens durch Gottvater, Christus und den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Im unteren Bildfeld ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige dargestellt – reich an Details und Ausdruck. Flankiert wird das Hauptbild von zwei eindrucksvollen Heiligendarstellungen: St. Martin mit dem Bettler zur Linken und St. Barbara mit dem Turm zur Rechten.
Kunsthistorisch wird vermutet, dass der Altar eine Nachbildung des großen Hauptaltars war, den der Konstanzer Meister Hans Morinck für die Klosterkirche St. Blasien geschaffen hatte – ein Werk, das beim Klosterbrand von 1768 leider verloren ging. Als möglicher Bildhauer des Altars gilt Gideon Rosenbacher, ein Bildhauer aus Staufen, der um diese Zeit für das Kloster St. Blasien tätig war.
Die Fridolinskapelle ist mehr als ein architektonisches Schmuckstück – sie ist ein Ort der Verbundenheit, der geschichtlichen Tiefe und der lebendigen Glaubenskultur. Der „Kemser Dom“ erzählt von Kunst, Frömmigkeit und regionaler Identität – mitten im Alltag, mitten im Leben.