Inmitten einer Region, die für ihre prachtvollen Barockkirchen bekannt ist, sticht die Pfarrkirche St. Michael in Tunsel deutlich hervor. Zwischen 1851 und 1857 erbaut, zeigt sie sich außen in der klaren, zurückhaltenden Formensprache des frühen 19. Jahrhunderts – und setzt damit einen spannenden Kontrapunkt zur barocken Pracht ringsum.
Im Inneren überrascht die Kirche mit einer hochwertigen Ausmalung und einem beeindruckenden Hochaltar aus den 1890er Jahren, gestaltet vom Künstler Karl Schilling.
Dass diese kunstvolle Ausstattung bis heute erhalten geblieben ist, ist maßgeblich dem damaligen Pfarrer Dr. Theodor Kurrus zu verdanken. In den 1960er Jahren setzte er sich erfolgreich für den Erhalt der Ausmalung ein – in einer Zeit, in der viele vergleichbare Werke des späten 19. Jahrhunderts andernorts rücksichtslos entfernt wurden.
Ursprünglich war die Kirche dem hl. Andreas geweiht. Erst im 18. Jahrhundert wurde der hl. Michael zum neuen Patron und Namensgeber der Pfarrkirche.
Heute lädt St. Michael dazu ein, ein oft übersehenes Kapitel kirchlicher Baukunst neu zu entdecken – jenseits von Rokoko und Barock, aber mit ebenso großer Ausstrahlung.