Seit Jahrhunderten durchzieht ein künstlich angelegter Mühlkanal den Ort bad Krozingen. Er zweigt in Oberkrozingen vom Fluss Neumagen ab und mündet im Bereich der Basler Straße wieder in ihn zurück. Über die Zeit trieb dieser Kanal bis zu vier Mühlen an und spielte eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.
Je nach Eigentümertradition wurde sie als Litschgi-Mühle oder Hofmann-Mühle bezeichnet und kann bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Spätestens 1662 war sie im Besitz der angesehenen Kaufmannsfamilie Litschgi. Ein bedeutender Umbau erfolgte 1732 durch Johann Jakob Litschgi, der das Gebäude umfassend erneuerte – ein Türsturz mit seinem Familienwappen und der Jahreszahl zeugt bis heute davon. Auch die Hofeinfahrt auf der linken Seite trägt das Wappen der Familie.
Mit dem Einzug neuer Energiequellen wie Dampf und Elektrizität verlor die Wasserkraft zunehmend an Bedeutung. Während sich in Bad Krozingen nur eine einzige Mühle langfristig gegenüber der Konkurrenz der großen Industriemühlen behaupten konnte, musste die Litschgi-Mühle ihren Betrieb bereits 1917 einstellen.
In den 1960er Jahren gab es Überlegungen, den Mühlkanal unterirdisch zu verlegen (Verdohlung) – ein Vorhaben, das glücklicherweise nie umgesetzt wurde. So blieb ein wichtiges Stück Ortsgeschichte erhalten.
In den 1970er Jahren wurde das historische Anwesen von Claus Hofmann mit viel Liebe zum Detail renoviert. Dabei wurde sogar ein original erhaltenes Mühlwerk aus Gütighofen eingebaut, das der Anlage neues Leben einhauchte – wenn auch nicht mehr als Produktionsstätte, so doch als kulturelles und technikgeschichtliches Denkmal.
Die Litschgi-Mühle ist heute ein stiller Zeuge der frühen Industriegeschichte Bad Krozingens – und ein Ort, an dem die Kraft des Wassers, der Wandel der Zeit und die Leidenschaft für den Erhalt des Kulturerbes sichtbar werden.