Archäologiepark eröffnet


Im kleinen „Archäologiepark“ in der Georg-Friedrich-Händel-Straße, Ecke Franz-Lehar-Promenade wurden am 8. August neue Informationstafeln eingeweiht. Die Tafeln zu den Ausgrabungen des römischen Gutshofes und des steinzeitlichen Grabhügels wurden von der Archäologie-Werkstatt Freiburg gestaltet und von der Firma Burgert bei den rekonstruierten Grundrissen aufgestellt. Bad Krozingen ist dadurch um eine besondere Sehenswürdigkeit reicher geworden.
Der neue Archäologiepark mit der ehemaligen Römervilla soll nun auch in den 140 Kilometer langen Oberrhein-Römerradweg von Grenzach-Wyhlen bis nach Riegel einbezogen werden, der mitten durch Bad Krozingen – vorbei am Stadtmuseum, am Römerbrunnen und am Römerkeller – führt.  

5000 Jahre Siedlungsgeschichte in Bad Krozingen


Die Gemarkung von Bad Krozingen war seit der Steinzeit ein begehrter Siedlungsplatz. Auf den fruchtbaren Schwemmlössfächern der aus dem Schwarzwald kommenden Flüsse Neumagen und Möhlin hatten sich die Menschen seit je niedergelassen und Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Gezielte Begehungen im Vorfeld der Erschließung des Baugebietes Kurgarten erbrachten zahlreiche Lesefunde aus verschiedenen ur- und frühgeschichtlichen Epochen. Deshalb wurden von der Archäologischen Denkmalpflege in Baden-Württemberg vor der Bebauung des Geländes diese Bereiche sorgfältig prospektiert, ausgegraben und dokumentiert, um dadurch die sonst unwiederbringlichen Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte Bad Krozingens zu sichern und zu erforschen.

Bei den Ausgrabungen von 2011 bis 2015 wurden unter anderem ein steinzeitliches Kammergrab und ein römischer Gutshof freigelegt, die hier am originalen Fundplatz im Grundriss anschaulich gemacht wurden und durch Infotafeln erklärt werden. Daneben wurden im Neubaugebiet Kurgarten aber auch Siedlungspuren aus der Bronzezeit (1800–1200 v. Chr.) und aus der frühen Eisenzeit (um 600 v. Chr.) sowie ein Grabfund aus der Merowingerzeit (um 650 n. Chr.) entdeckt.

Steinzeit – Ein Megalithgrab in Bad Krozingen?


Sensationell war die Entdeckung eines steinzeitlichen Kammergrabes aus der Zeit zwischen 3500 und 3000 vor Christus. Bisher ist es einzigartig am Oberrhein und hat die nächsten Vergleiche im Neckarraum und im Pariser Becken. Erhalten geblieben und ausgegraben worden ist von der Grabkammer lediglich das Fundament aus großen Steinen.

Bronzezeit – Bronzezeitliche Funde


Im Jahre 2015 wurden bei der flächigen Prospektion im Baugebiet Kurgarten II erstmals auch bronzezeitliche Funde in einer Abfallgrube entdeckt. Unter anderem fanden sich hier große Fragmente von Keramikgefäßen und eine bronzene Gewandnadel aus der Zeit zwischen 1800 und 1200 vor Christus.

Frühe Kelten – Früheisenzeitliche Siedlungspuren


Zahlreich waren früheisenzeitliche Siedlungspuren aus der Zeit zwischen 700 und 500 vor Christus. Dabei handelt es sich vor allem um Vorratsgruben, die später als Abfallgruben genutzt wurden. In ihnen wurden Fragmente von Keramikgefäßen, Tierknochen und Gewandspangen aus Bronze und Eisen entdeckt. Unmittelbar am Steilabfall zum Neumagen wurden die im Boden eingetieften Spuren eines früheisenzeitlichen Palisadenzaunes entdeckt, der möglicherweise zur Einfriedung eines Gehöftes gehörte.

Überraschend war im Bereich des römischen Gutshofes die Entdeckung von sieben rechteckigen Gruben von etwa 1,80 m x 1,50 Meter Größe, die mit Steinen gefüllt waren und Brandspuren aufwiesen. Diese Gruben werden als frühkeltische Erdöfen interpretiert. Man kann sie mit heutigen polynesischen Erdöfen zum Garen von Fleisch vergleichen.

Römer – Zwei römische Kleinbauerngehöfte


Vom römischen Kleinbauerngehöft aus dem 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus wurden die steinernen Fundamente der beiden Gebäude, ein Steinbrunnen, ein Kalkbrennofen, ein Backofen und eine Grube mit römischer Keramik ausgegraben. Sichtbar gemacht wurden hier die Grundrisse der beiden Gebäude sowie der Brunnen.

Ein weiteres römisches Anwesen stand nur 300 Meter entfernt im Bereich der heutigen Franz-Liszt-Allee. Neben Siedlungsgruben wurden auch ein Brunnen und einige Pfostengruben eines hölzernen Gebäudes entdeckt.

Alamannen – Ein frühmittelalterliches Grab


Etwa 200 Meter nördlich des römischen Kleinbauerngehöftes wurde ein Steinkistengrab aus der Zeit um 650 nach Christus gefunden. Zu dieser Zeit siedelten hier, wir auch an vielen weiteren Stellen auf Bad Krozinger Gemarkung, bereits die Alamannen. Das Steinkistengrab lag vermutlich direkt neben einem bäuerlichen Gehöft der Alamannen, wovon bisher jedoch keine Spuren im Boden entdeckt wurden. Im 7. Jahrhundert war es im Breisgau insgesamt üblich die Toten in einer Hofgrablege direkt neben dem Hof zu bestatten. Eine Besonderheit ist der nur zum Teil erhaltene Kreisgraben um das Grab. Er deutet an, das das Grab mit einem kleinen Hügel überdeckt war – vergleichbar mit den alamannischen Gräbern aus dem Bereich der Merowingerhalle in Bad Krozingen-Biengen.
^
Download