Er­geb­nis­se des run­den Ti­sches „Saat­krä­hen in Land­wirt­schaft & Stadt“


Seit vie­len Jah­ren stel­len Saat­krä­hen im Stadt­ge­biet und in der um­ge­ben­den Land­wirt­schaft ein Pro­blem dar.
Nach­dem in den 80-er Jah­ren zu­nächst nur we­nig öf­fent­li­che Grün­flä­chen in der In­nen­stadt be­trof­fen wa­ren, be­sie­del­ten die Saat­krä­hen ab den 90-er Jah­ren den Kur­park und Um­ge­bung. In den Jah­ren 2004 bis 2017 stieg die Zahl der Brut­paa­re im ge­sam­ten Stadt­ge­biet auf über 1.400 an.

Um die Pro­ble­ma­tik zu be­spre­chen, fan­den im No­vem­ber 2017 und im Ja­nu­ar 2018 zwei Tref­fen am Run­den Tisch statt, mit den zu­stän­di­gen Ver­tre­tern der Be­hör­den im Land­rats­amt und Re­gie­rungs­prä­si­di­um, Land­wir­ten, Jä­gern, Na­tur­schüt­zern so­wie der städ­ti­schen Ver­wal­tung und des Ge­mein­de­rats­rats. Ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der Ge­sprä­che am Run­den Tisch fin­den Sie im In­fo­kas­ten.

Zum Win­te­r­en­de keh­ren Saat­krä­hen an ih­re Brut­plät­ze zu­rück, sie su­chen ge­eig­ne­te ho­he Bäu­me für neue Nist­plät­ze oder set­zen be­reits vor­han­de­ne Nes­ter wie­der in Stand. Auf­grund der Le­bens­wei­se in gro­ßen Ko­lo­ni­en, der Grö­ße der Tie­re und den da­mit ver­bun­de­nen Hin­ter­las­sen­schaf­ten er­hält die Stadt­ver­wal­tung re­gel­mä­ßig zahl­rei­che Be­schwer­den von An­woh­nern und Kur­gäs­ten. Ins­be­son­de­re wäh­rend der Brut­zeit und Auf­zucht der Saat­krä­hen zwi­schen März und Ju­ni ist in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Brut­ko­lo­ni­en mit Lärm so­wie Ver­schmut­zung zu rech­nen (her­ab­fal­len­de Äs­te, Nah­rungs­res­te und Kot). Häu­fig gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen der Neu­an­sied­lung von Ko­lo­ni­en und dem sich in der Nä­he be­find­li­chen Fut­ter­an­ge­bot. Da­her ist es be­son­ders wich­tig, in den kom­men­den Wo­chen kei­ne Es­sens­res­te oder Tier­fut­ter im Um­feld von Krä­hen­ko­lo­ni­en zu hin­ter­las­sen.

Die Stadt­ver­wal­tung be­müht sich dar­um, an sen­si­blen öf­fent­li­chen Stand­or­ten das Brü­ten von Krä­hen zu ver­hin­dern und Ver­grä­mungs­maß­nah­men durch­zu­füh­ren, al­ler­dings ist die Saat­krä­he durch die EG-Vo­gel­schutz­richt­li­nie und das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz (BNatSchG) be­son­ders ge­schützt, da­her sind für al­le Maß­nah­men Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen er­for­der­lich. Das Ver­grä­men von Tie­ren an ei­nem Stand­ort hat im­mer zur Fol­ge, dass sich die Tie­re ei­nen an­de­ren Ort zur Brut su­chen. Un­ter Um­stän­den bil­den sich aus ei­ner Ko­lo­nie meh­re­re Teil­po­pu­la­tio­nen und das Pro­blem ver­grö­ßert sich, des­halb ist ein un­ko­or­di­nier­tes Vor­ge­hen und ein pri­va­tes Ein­grei­fen un­be­dingt zu ver­mei­den. Saat­krä­hen sind sehr in­tel­li­gen­te, so­zia­le und an­pas­sungs­fä­hi­ge Vö­gel und durch­schau­en Ver­grä­mungs­maß­nah­men schnell, so dass die­se oft schnell un­wirk­sam wer­den.

Er­geb­nis­se des run­den Tischs „Saat­krä­hen in Land­wirt­schaft & Stadt“ No­vem­ber 2017 und Ja­nu­ar 2018


Rechtslage und Bestandsentwicklung

Die Saatkrähe unterliegt als europäische Vogelart dem Schutz der europäischen Vogelschutz-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz §44, nachdem es verboten ist, wild lebende Tiere zu stören, zu töten oder ihre Habitate zu zerstören. In der gesamten Region steigt die Zahl der Saatkrähen seit den 80 er Jahren an. In Bad Krozingen leben derzeit knapp 1400 Brutpaare, für ganz Baden-Württemberg gibt der NABU die Zahl von rund 9.000 an, für Deutschland geht man von 80-90.000 Brutpaaren aus. Im Jagdrecht sind Saatkrähen im Gegensatz zu den Rabenkrähen nicht als jagdbare Arten aufgeführt.

Krähen in der Landwirtschaft

Aufgrund der hohen Schäden durch Saatkrähen in der Landwirtschaft während der Aussaatzeit und Fruchtreife, erhalten Landwirte nach Antragsstellung beim Landratsamt eine Erlaubnis, Saatkrähen zu vergrämen. Durch das Beizen von Saatkörnern und zeitlich abgestimmte Aussaat- und Bewirtschaftungsmethoden kann der Schaden verringert werden und das Futterangebot für die Saatkrähen minimiert werden.

Ökologie und Nahrungsressourcen

Für die Größe einer Saatkrähenpopulation ist ausschlaggebend, wie groß das Nahrungsangebot in der Umgebung ist, ob geeignete Brutbäume vorhanden sind und ob natürliche Feinde oder andere Störungen vorhanden sind. Den größten Teil ihrer Nahrung finden Saatkrähen auf landwirtschaftlichen Flächen um Bad Krozingen, sie finden aber auch im menschlichen Umfeld Nahrungsreste. Geeignete Brutbäume sind meist Pappeln oder Platanen. Im Außenbereich wirkt vor allem der Habicht als natürlicher Feind, es gibt aber auch Störungen durch erlaubte Jagd auf Rabenkrähen oder genehmigte Vergrämungsabschüsse, die dazu führen, dass sich Saatkrähen zur Brut in den geschützten Raum der Städte zurückziehen. Auf hohen Bäume im Außenbereich, abseits von Siedlungen, findet man kaum Saatkrähenkolonien.

Ausnahmegenehmigungen in der Stadt

Für sensible öffentliche Bereiche, wie Kinderspielplätze und Schulen oder das Kurgebiet erteilt das Landratsamt auf Antrag eine Ausnahmegenehmigung von § 44 BNatSchG. Für die Beseitigung von Nestern oder Maßnahmen, um Saatkrähen von den Standorten fernzuhalten, zum Beispiel durch den Einsatz von Uhu-Attrappen oder durch Falkner ausgebildete Greifvögel - zu vergrämen. Anträge für private Bereiche oder aus privatem Interesse wurden bisher nicht genehmigt.

Einwirken auf die Bestandsgröße

Am runden Tisch wurden verschiedene Methoden diskutiert, die die Größe der Population der Saatkrähen in Bad Krozingen insgesamt verringern könnten. Aufgrund der Tatsache, dass sich erste Saatkrähen nach der Unterschutzstellung in der Region in den 80-er Jahren wieder ansiedelten, Ender der 90 er Jahre rund 800 Brutpaare gezählt wurden und bis heute bis zu 1400 Brutpaare um Bad Krozingen leben, ist die Belastung für Landwirtschaft und Stadt enorm. Die rechtlichen Möglichkeiten sind hier aber sehr eng, da bei solchen Überlegungen das Bundesartenschutzgesetz zu beachten ist. Neben der ökologisch wirkenden Faktoren wie Nahrungsangebot, Brutplatzangebot, natürliche Feinde und Störungen ist hier eine Methode denkbar, die vom Regierungspräsidium und dem Landratsamt für ausgewählte Standorte Unterstützung erfahren würde: an ausgewählten Standorten könnten aus  Saatkrähennestern, unter der fachlichen Begleitung eines Ornithologen Eier entnommen werden. Statt drei bis vier Eiern pro Gelege verbliebe dabei nur ein Ei im Nest. Die Brut würde von dem Saatkrähenpaar fortgeführt werden, die geringere Anzahl der Jungtiere sollte aber eine Reduktion von Lärm und Kot um die betroffene Kolonie eintreten. Die Stadtverwaltung plant für diese Methode einen Antrag zu stellen.

Förderung natürlicher Konkurrenten

Turmfalken konkurrieren genauso wie andere Rabenvögel, z.B. Elstern mit Saatkrähen um Lebensräume in der Stadt, haben allerdings keine Chance gegenüber großen Saatkrähenkolonien. Sie können allenfalls verhindern, dass sich Teilkolonien in Baumgruppen der Stadt bilden. Die Stadtverwaltung sucht Standorte im Stadtgebiet, auch private Gebäude mit einer Höhe von über 12 m Höhe, an denen  Nistkästen für Turmfalken aufgehängt werden können.

Bericht von Baden TV Süd über Saatkrähen in Bad Krozingen

Veröffentlichte Artikel in den Medien

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Saatkrähenpopulation in Bad Krozingen - Entnahme von Eiern im Randbereich des Kurparks


29.03.2018

Die Stadt Bad Krozingen hat zur Verringerung der Saatkrähenpopulation im Stadtgebiet eine Ausnahmegenehmigung für die Entnahme von Eiern aus Nestern der Saatkrähenkolonie am Rande des Kurparks beantragt. Die Genehmigung wurde am 21.03.2018 durch das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald erteilt. Daraufhin wurden unter der fachlichen Begleitung eines Ornithologen Ende März aus den Nestern Eier entnommen, so dass nur ein Ei pro Gelege im Nest verblieb. Die Stadt stützt sich bei dieser Methode auf die Erfahrungen einer Gemeinde in Bayern, die unter wissenschaftlicher Begleitung verschiedene Varianten der Eientnahme durchführte.

In Bad Krozingen befindet sich seit Jahren eine der größten Saatkrähenkolonien innerhalb Baden-Württembergs. Rund ein Sechstel aller vom NABU gezählten Saatkrähennester – im Jahr 2017 waren dies knapp 1400 – wurden auf der Gemarkung Bad Krozingen gezählt.
Seit Jahren werden Lösungen gesucht, sowohl um landwirtschaftliche Schäden zu minimieren, als auch die Belastungen im Kurpark und der Stadt durch Lärm und Kot zu reduzieren. Einige Maßnahmen wie Uhu-Attrappen oder der Einsatz eines Falkners bringen kurzfristig Erfolge, eine langfristige Lösung wurde aber bisher nicht gefunden. Auch viele andere Städte in Baden-Württemberg und in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kämpfen mit dem Problem, unternehmen Versuche mit Umsiedlungen, schneiden Bäume zurück oder setzen Falkner zur Vergrämung ein. Ein langfristiger Erfolg stellte sich bisher nirgendwo ein.
Am runden Tisch zum Thema Saatkrähen in Landwirtschaft & Stadt, der im November 2017 und Januar 2018 in Bad Krozingen stattfand, wurden verschiedene Methoden diskutiert, die die Größe der Population der Saatkrähen in Bad Krozingen insgesamt verringern könnten. Eine vertretbare Methode ist die Entnahme von Eiern aus den Nestern von Saatkrähen. Aufgrund der Besprechungsergebnisse des runden Tisches beantragte die Stadt Bad Krozingen eine Ausnahmegenehmigung für den Eingriff der Eientnahme, für die größte zusammenhängende Saatkrähenkolonie am Rand des Kurparks.
Saatkrähen zählen zu den besonders geschützten Tierarten im Sinne des  Bundesnaturschutzgesetzes. Außerdem ist es verboten wild lebende Tiere zu stören, sie zu verletzten oder zu töten und auch ihre Brut- und Lebensstätten dürfen nicht zerstört werden. Im Interesse der Gesundheit des Menschen und aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses können Ausnahmen vom Bundesnaturschutz­gesetz zugelassen werden.
 
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.bad-krozingen.de/saatkraehen  oder erhalten Sie per Email über umwelt@bad-krozingen.de.

Saatkrähen am Rande des Kurparks

Saatkrähen-Vergrämung durch Eientnahme der Nester

Saatkrähen-Vergrämung durch Eientnahme der Nester am Rande des Kurparks
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Saatkrähen im Stadtgebiet - Stadt erarbeitet Masterplan


19.06.2017

Seit vielen Jahren stellen Saatkrähen im Stadtgebiet und in der umgebenden Landwirtschaft ein Problem dar.

Nachdem in den 80-er Jahren zunächst nur wenig öffentliche Grünflächen in der Innenstadt betroffen waren, besiedelten die Saatkrähen ab den 90-er Jahren den Kurpark und Umgebung. 1995 wurden durch den NABU Müllheim rund 400 Brutpaare gezählt. In den Jahren 2004 bis 2009 stieg die Zahl der Brutpaare im gesamten Stadtgebiet auf über 1.400 an. Im Jahr 2017 waren es insgesamt 1.300 Nester: 580 im Ortsteil Biengen, 643 im Kurpark und Umgebung – davon allein 264 im Bereich der Pappeln am Nordrand –  dazu kommen rund 60 Nester im Stadtgebiet östlich der Bahn.
 
Durch genehmigte Vergrämungsmaßnahmen können zwar enge Bereiche um die Kuranlagen und einige sensible Standorte in der Innenstadt frei von Krähennestern gehalten werden, z.B. Grabenstraße, Breslauer Straße, Friedhof oder Aquarado. Die Vergrämungsmaßnahmen sind allerdings sehr aufwendig, da sie Jahr für Jahr wiederholt werden müssen. Zur Vergrämung werden außerhalb der Brutzeit im Januar einzelne Nester entnommen sowie Uhu-Attrappen bewegt oder prophylaktisch metallische Geräusche erzeugt. In früheren Jahren wurden bereits Kronen zurück geschnitten, ganze Bäume entfernt oder ein Falkner eingesetzt, um Krähenstandorte aufzulösen. Trotz der Vergrämungen kommt es sowohl in der Innenstadt auch als im Kurpark jährlich zu Neuansiedlungen von Kolonien, im Jahr 2017 z.B. 21 neue Nester in der Breisgauer Straße unmittelbar neben stark frequentierten Einzelhandelbetrieben. Die Stadtverwaltung tauscht sich regelmäßig mit anderen, vom selben Problem betroffenen Städten in der Oberrheinebene aus z.B. Lahr, Emmendingen oder Freiburg, aber auch dort zeigt sich keine dauerhafte Lösung.
 
An den großen Kolonien in Biengen und am Rand des Kurparks (Pappeln am Nordrand, Kliniken, Neumagen und Parkplätze) wurde in den letzten Jahren nicht vergrämt. Da eine weitere Aufsplitterung der Kolonien vermieden werden sollte. Die Stadtverwaltung bemüht sich um aufklärende Öffentlichkeitsarbeit über die Lebensweise und den Schutzstatus der Vögel, dennoch ist die Zahl der Beschwerden von Kurgästen und Neubürgern des unmittelbar an den Kurpark angrenzenden Wohngebiets Kurgarten I seit dem letzten Jahr stark angestiegen. Die Kurgäste leiden unter der gravierenden Lärmbelästigung durch Krähen im Kurpark, die Anwohner zusätzlich unter der Verkotung ihrer Gärten und Wohnhäuser, der Einzelhandel meldet Verunreinigung von Auslagen.
 
Die Stadt benötigt für den Kurpark und die Umgebung weitere Ausnahmegenehmigungen für die Vergrämung von Saatkrähen. Auf politischer Ebene müssen Ausnahmen von Naturschutz- und Jagdrecht diskutiert werden. Weiterhin ist eine sachliche Öffentlichkeitsarbeit notwendig, in die Aspekte der Entsorgung von Essensresten, Futterquellen und die Vermeidung von Schäden in der Landwirtschaft mit einbezogen werden.
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Berichterstattung der Badischen Zeitung